​Veganer – Spaßbremsen fressen meinem Essen das Essen weg!

…und vegane Frauen haben nur stillen Sex, weil sie nicht zugeben wollen, dass sie sich über ein Stück Fleisch so freuen.

Jetzt weißt Du es. Ouups, klaaar doch, Du hast das natürlich schon lange gewusst! Fühlst Dich mal wieder bestätigt, hast vielleicht nen neuen Witz zu erzählen. Ach, kanntest ihn schon, ‚türlich! Sind alles Spinner diese Veganer. Brauchste gar nicht weiterlesen. Veganer kennen das, es ist immer das gleiche Schema. Es wird sich mit dem Rülpser „Darauf jetzt erst mal ein Steak!“ dann lasziv irgendwo in eine Nische zwischen Überheblichkeit und Ignoranz eingekuschelt. Jede weitere Info könnte ja Letzteres gefährden!

Nanu, Du bist noch hier? Du bist nicht kraft Deiner bloßen Existenz 1000mal toller als wir? Dafür bist Du wie wir des Nachdenkens mächtig und hast womöglich sogar Mut zur Ehrlichkeit? Hey, dann kannst Du gefahrlos weiterlesen! Hast Du eigentlich das Poltern gehört? Wir sind gerade vom Stuhl gefallen! Danke für Deinen Mut und Dein Interesse.

Wir nehmen zwar gern das ein oder andere Blatt in, aber niemals vor den Mund. Es ist auch gar nicht so, dass wir Witze über Veganer oder andere Gruppierungen per se unlustig finden. Über manche dieser Witze haben wir uns schon scheckig gelacht. Es kommt sehr darauf an, in welchem Zusammenhang sie fallen und welches Ziel sie verfolgen – und wie oft man sie schon gehört hat.

Apropos schon oft gehört. „Was könnt ihr als Veganer denn überhaupt noch essen?“ Das werden wir häufig von erstarrenden Mitmenschen gefragt. Als könne man sich nichts anderes als hormonverseuchte Leichenteile gequälter Mitwesen oder eiterhaltige Sekrete ihrer entzündeten Milchdrüsen reinziehen. IGITT!!! Verzeih‘ bitte, doch das ist in der Daily-Live-Horrorshow leider allzu reell. Es wurde tausendfach dokumentiert und die Missstände – mit mäßigen Erfolgen – vor Gericht und auf die politische Bühne gebracht. Du willst solchen Ekelkram nicht lesen? Es ist eine verständliche Reaktion, sich davor abzuwenden und stillschweigend so weiter zu machen wie bisher, so als sei nichts. Wegschauende wissen auch den Zynismus zu nutzen, um ihre eigene Betroffenheit und die Möglichkeit einer daraus folgende Konsequenz zu verhindern: Wir, die wir das nicht mehr unterstützen, bekommen besagte Relikte des Leides gern als „HMMMMM-LEECCKKER!!!!“ unter die Nase gehalten und werden zwischen den Schmatzern des Gegenübers kopfschüttelnd als „extrem“ bezeichnet. Andere erklären das Thema „Tierleid und Verantwortung“ gleich zum Tabu – oder sogar uns zum Tabu.

Diese Kuh fanden wir in Anbindehaft in einem schmalen dunklen Stall im Museumsdorf Kiekeberg. Sie ist verdammt zur fast völligen Bewegungslosigkeit und viel "glücklicher" als ihre allermeisten Artgenossinnen: Ihr wurden nicht die Hörner ausgebrannt, sie muss nicht auf Spaltenboden über den eigenen Exkrementen stehen und sie darf laut erhaltener Info "sogar" 3 oder 4 Monate im Jahr auf die Weide.

Diese Kuh fanden wir in Anbindehaft in einem schmalen dunklen Stall im Museumsdorf Kiekeberg. Sie ist verdammt zur fast völligen Bewegungslosigkeit und viel „glücklicher“ als ihre allermeisten Artgenossinnen: Ihr wurden nicht die Hörner ausgebrannt, sie muss nicht auf Spaltenboden über den eigenen Exkrementen stehen und sie darf laut erhaltener Info „sogar“ ein paar Monate im Jahr auf die Weide.

Es fällt uns schwer, angesichts dessen, was wir inzwischen wissen und gesehen haben, cool zu bleiben, wenn sich jemand Überreste gequälter Mitwesen reinzehrt – und doch müssen wir das täglich ertragen. Sonst bliebe nur noch, sich ein Loch zu graben, sich gänzlich aus der Gesellschaft zu verabschieden, sich total zu isolieren und außerdem alle unsere fleischessenden Freunde zu kicken. Doch das wäre nicht fair – wir haben ja selber jahrelang so gehandelt! Außerdem lieben wir unsere Freunde und würden sie niemals im Stich lassen. Wir leiden so wie so schon unter der Distanz, die seit unserem Umdenken zwischen uns und vielen unseren sonst durchaus reflektierten, vernünftigen, lustigen und liebevollen Freunden und Familienmitgliedern da ist, ohne dass wir das wollen. Diese Kluft des Mehrwissens und Mehrfühlens tut weh. Spott und Hohn sind durchaus zu ertragen, schlimmer sind Ignoranz und Kälte, die stille Abkehr. Deshalb schweigen wir dann oft und schlucken die Schmerzen ob der Sorglosigkeit des Gegenübers runter.

Notiert: Sorgenvoll wird die Mine des Gegenübers also nicht bei Leichenschmaus an Sahnesoße, sondern bei der Frage, was wir überhaupt noch essen können – die Dich vielleicht insgeheim auch interessiert. 😉 Boaahh, das ist nicht Dein Ernst! 😀 Eine Nebenwirkung nicht-qualbasierter Ernährung ist, dass man ständig genialste Rezepte um die Ohren gehauen bekommt. Heute z.B. gabs Tofu-Teriyaki an Süßkartoffel-Erdapfel-Mash auf gedämpftem Wirsingblatt, gestern gabs Pizza mit Pinienschmelz, vorgestern Chili à la Stefmarian. Die Speisen sind oft viel leckerer und raffinierter als die üblichen Fleisch- oder Käsevarianten, gehen genauso schnell und irritieren nebenbei nicht den Körper mit Hormonen und Medikamentenresten. Außerdem werden dafür keine Flächen für Tiernahrung vergeudet: Über 95% der Kalorien, die zur Erzeugung eines Schnitzels verfüttert werden, kommen nicht beim Menschen an, sondern werden tagtäglich in ungeheure Mengen tierische Exkremente und CO2 verwandelt. Für pflanzenbasierte Nahrung wird extrem viel weniger Trinkwasser verbraucht, denn jeder 3. Liter (!) fließt in Tierfabriken. Es wird zudem keine Boden-, Wasser- und Atemluft-verpestende Gülle erzeugt.

Über 56 Milliarden (!) „Nutztiere“ werden jedes Jahr von Menschen getötet, das sind 3000 pro Sekunde, Meeres- und Süßwassertiere nicht eingeschlossen. Zur Veranschaulichung hier ein Zähler, der die Tiere zählt, die nach dem Klick auf diesen Link umgebracht wurden. Die Futtermittel werden großenteils in armen Ländern angebaut, die Raubbau mit giftigen Pestiziden treiben und denen die Flächen dann für die Ernährung der Bevölkerung fehlen. Zur direkten Ernährung der Menschen würde nur noch ein Bruchteil dieser Anbauflächen benötigt. Wäre Fleischessen die Ausnahme, wären Umweltverpestung, Welthunger und Verteilungskriege bald Probleme von gestern, denn die Fleischproduktion hat den ungleich größten Anteil daran. Durch den geringeren Flächenverbrauch würden sich auch die verdrängten und vom Aussterben bedrohten Wildtiere wieder ausbreiten können, deren Anteil am Gewicht aller Landwirbeltiere nur noch bei 3% liegt. Biomasse der LandwirbeltiereDas sind überlebensrelevante Fakten, die über unser aller Zukunft und die unsrer Kinder entscheiden, die aber mit allergrößter Arschledermentalität ignoriert werden. Lieber regt sich der Wutbürger von heute über Auto-Abgaswerte auf und rülpst alle halbe Wurst lang den Veganer an, obwohl die Massentierhaltung den Löwenanteil am CO2-Ausstoß hat. Aber bei gefälschten VW-Abgaswerten kann er sich halt so schön aufregen ohne was ändern zu müssen – GÄÄÄHHN.

Für pflanzenbasierte Nahrung muss kein Tier für den „menschlichen Bedarf“ krankgezüchtet, in Mastanlagen gesperrt, körperlich und seelisch missbraucht, gequält und umgebracht werden. Besagte Wesen nämlich haben nur noch wenig zu tun mit ihren wilden Verwandten, sie wurden verstümmelt, um in einem kurzen Leben möglichst umfassend „Ertrag“ in Form von Körperteilen, Milch und Eiern zu bringen, und nicht etwa, um „glücklich“, „gesund“ oder „artgerecht“ zu leben. Wie die Grafik zeigt, haben die künstlichen Tiere der Landwirtschaft längst den Großteil der natürlichen Landsäugetiere auf diesem Planeten verdrängt – inklusive deren Lebensräume, vor allem durch die oben dargelegte Flächenvergeudung für Futtermittel, für die z.B. fleißig Urwald gerodet wird – jeden Tag mehr und mehr. Und Deutschland mit seinen unzähligen Tierfabriken ist da ganz vorne mit dabei. Zwar wachen erfreulicherweise hierzulande immer mehr Menschen auf aus ihrem Dornröschenschlaf, aber es wird fleißig weiter-subventioniert mit Abermilliarden Steuergeldern und immer stärker exportiert, denn passenderweise sind die Gesetze zum Schutz der „Nutztiere“ hier besonders lasch.

Wir alle stimmen jeden Tag an der Supermarktkasse, in der Mensa, in der Kantine und im Restaurant ab, ob das weiter so bleibt.

Keiner muss sich adhoc um 180° wenden, um die elende Situation sukzessive zu verbessern (wobei sogar der komplette Ausstieg aus dem Tierprodukte-Konsum noch nicht mal so ein Riesenschritt ist, wie man denkt, denn sogar wir Schlunzen haben das hingekriegt). Kleine Schritte kannst Du erst recht, wach bleiben und Entscheidungen treffen auch. Du hast es mit den Dir verfügbaren Möglichkeiten und mit Deiner Mentalität in der Hand, was Du persönlich zum Guten veränderst. Vielleicht kann dieser Rechner Dir dabei einen kleinen Motivationsschub verpassen. Er zeigt, wieviele Tiere durch Dich nicht „verbraucht“ werden und weitere positive Effekte, wenn Du Deinen Fleischkonsum zumindest reduzierst.

Die Tiere können sich nicht entscheiden, sie haben überhaupt keine Wahl, Du aber schon.

Ein paar Links zur Inspiration:

  • der-artgenosse.de: Blog mit Essays, Cartoons, Videos eines echten Vegannerds, der ein unfassbares Wissen hat und das obendrein super erklärt – und feinen Humor hat der auch noch!
  • graslutscher.de: Sehr unterhaltsamer Blog, lass Dich überraschen!
  • vegan-taste-week.de: Vegan einfach mal eine Woche ausprobieren – außerdem: Tolle Rezeptdatenbank!
  • tiernetz.blogspot.de: Film über das Wesen von Hausschweinen, über ein Experiment, Hausschweine in die Freiheit zu entlassen und über ihren unfreiwilligen Job als Nutztiere
  • bund.net: Der Fleischatlas – Zahlen, Fakten, Entwicklungen, Schaubilder, Diagramme

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10 Gedanken zu „​Veganer – Spaßbremsen fressen meinem Essen das Essen weg!

  1. Ihr seid soweit vom Spinnertum entfernt..Ich wollte ich wäre so konsequent.. Kann aus eigener Erfahrung sagen, eine vegane Mahlzeit am Tag geht sowieso, ist keinerlei Einschränkung und genauso lecker, Stefan morgen gibt’s deine Idee zur Frischkäsebereitung, ging mit einem feinem Baumwolltuch erstaunlich gut. Dett kommt morgen mit inne Wäsche und jut. 😉 Ich bin froh, da sensibilisiert worden zu sein und kann da nur fett Dankeschön sagen. Ich finde es gut was Ihr macht!
    Euer Igor

    • Danke und dito! 🙂 In jedem einzelnen hier genannten Umstand steckt so viel drin. Wir dürfen nicht beim Elend-Angaffen verweilen. Wir werden doch noch imstande sein, das bisschen Verstand und Liebe zusammenzukratzen, an einer Zukunft mitzuwirken, die diese Bezeichnung rechtfertigt. 😎 Das machen zum Glück immer mehr Leute, hoffentlich erwächst daraus eine Kultur der Verantwortung. Zumal Verantwortung eigentlich Spaß macht, das wissen sogar Kinder schon. Wer sich engagiert empfindet auf jeden Fall größere Zufriedenheit als eine erstarrte Ich-würde-sollte-wenn-doch-Kreatur oder ein im eigenen Mief gährendes Mir-doch-alles-egal-Hauptache-ICH. 😉

  2. Entweder wird meine Antwort ganz lang oder ganz kurz. Also gut: Kurzfassu.

    Was könnt Ihr eigentlich überhaupt noch essen? *duck, aber das musste mal raus. Nach gut 30 Jahren ohne Fleisch musste ich einfach selber mal… Ihr versteht.

    Kurz und gut: wir sind in diesem Punkt gar nicht weit voneinander entfernt und könnten fast immer aus dem selben Topf essen, wenn wir keine Teller hätten. Das freut mich ungemein. Ich nehme Euch daher auch locker ab, dass Ihr mit Eurer Ernährung bestens klar kommt und nur die Reaktionen von außen manchmal nerven. Das kenne ich sehr gut, aber hier setzt auch mein – wirklich einziger – Kritikpunkt an, denn irgendwie scheint der Frust darüber, so kommt es mir vor, ein bisschen durch bei diesem Artikel, und das finde ich schade, weil er damit unvorteilhaften Klischees entgegenkommt. Dabei passt dieser Eindruck so gar nicht zu dem, was ich sonst von Euch wahrnehme: zu Eurem Humor und der verspielten Neugierde, mit der Ihr den Unbilden der Welt da draußen begegnet und die sozusagen Euer liebenswertes Markenzeichen ist.

    Jetzt ist es aber schon viel zu lang geworden. Karawanen erfordern eben Geduld. Uff, das war knapp. Und Grüße! H.W.

    • Oh Höckeres Wesen, Du hast zu uns gesprochen – und beschenkst uns gar mit ehrerbietenden Lobhudeleien! 🙂 Die unvorteilhaften Klischees bedienen wir nur deshalb, um da iwie einen Ausgleich zu schaffen. Sonst würden wir Dir da oben ja noch Konkurrenz machen! 😀

      • Das verstehe ich natürlich.^^

        Die Majo, die keine ist (die aus dem „Eiersalat“), muss ich unbedingt mal ausprobieren.

      • Bei den „Links zur Inspiration“ unter unserem Beitrag findest Du die echt empfehlenswerte Seite „Vegan Taste Week“, auf der Du viele großartige Rezepte findest. Aber das ganze Internet ist ohnehin so voll mit veganem Yummi, dass Du mit Futtern niemals hinterherkommst. Gerade gefunden: Rezepte vom Raketenmann. Die Sachen klingen auch schon wieder so schmachtlechz. Es ist nicht zum Aushalten! 😯 😀

  3. Unglaubliche Stärke & Rücksichtnahme entdecke ich an Euch und Euer Humor ist der Hammer.Das lesen eure Berichte angefangen mit Südamerika war fesselnd die Fotos beeindruckend . Der Blog ist einzigartig in seiner Unterhaltung und erweitert meinen Horizont ……
    ..Habe was tolles schmecken können von Euch. ..Veganer Eiersalat yammi yammi bitte nochmal das Rezept oder vegan Gehacktes. …. Bin jetzt auch Fan von Hafermilch geworden mhmmmm.
    HERZENSGRÜßE

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