Schwarzvolk im Park

Wie wir bekennende Subkulturbanausen erst kürzlich erfahren haben, wird jeden Sommer auch hier im eher reservierten Hamburg ein zünftiges Schwarzes Picknick abgehalten – im Jenischpark, der eine stilvolle Kulisse bildet.

Zunächst eine kleine Verteidigungsrede an das hohe Szenegericht zur besagten Banausigkeit: Wir haben haargenau Null gegen Subkultur! Im Gegenteil: Wir bewegen uns gern in bestimmten Subkulturen. Wir können nur nichts mit dem – weil überall – natürlich auch in Subkulturen waberndem Spießertum anfangen, das bestimmte Leute inkludiert und andere ausgrenzt, die, je nach Szene, nicht true genug, nicht dunkel genug, nicht punk genug sind. Außerdem sind Teile unterschiedlicher Szenen für uns einfach zu interessant, um uns zu einer bestimmten zu „bekennen“ – dieser Beitrag ist gerade rechtzeitig vor Wacken fertig geworden! Wir leben in Subkulturen das Freigeistige und die Ästhetik, so wie es jeden von uns gerade persönlich anknallt. Das Andere lassen wir weg. Durchaus tauchen wir da voller Leidenschaft ein und meinen mit unserem bekennenden Banausentum nicht etwa, im blauen Sweatshirt bei ’nem Gothictreffen abzuhängen. Denn es geht ja doch ums Teilen und Kreieren einer besonderen Magie, und ebendiese Magie kann entfacht oder gebrochen werden. Dadurch, dass wir uns allerdings gern selbst immer neu erfinden, statt brav die neuesten Trends aus werbefinanzierten Hochglanz-Szenemagazinen zu adaptieren, die wir aus Prinzip keines Blickes würdigen, sind allerdings wohl auch ein paar schöne Dinge an uns vorbeigegangen. So haben wir erst jetzt von dem alljährlichen Schwarzsocken-Ereignis im Jenischpark erfahren. (Hmmm, kratzen wir vielleicht doch zu banausig an der Oberfläche? Ja! Wir sollten mehr Szenetaucher, Gestaltwandler und Freigeister kennenlernen und viel häufiger losziehen!)

Am Tage des Schwarzen Picknicks nun sind tatsächlich zwei Subkulturen aufeinander geprallt:

Schlager-FuzziesEs war gleichzeitig Schlagermove (wir berichteten über ein derartiges Ereignis) – und man sah in der Bahn allerbunteste Gestalten neben maximal unbunten! Uns gefiel besonders die jeweilige Mine, wenn sich die Wege kreuzten. Das Spektrum reichte von geschockt über missbilligend, betont ignorierend, verschmitzt bis hellauf begeistert! Solche hochspannende Momente lassen sich nicht ablichten, doch dafür immerhin die Partygesellschaft, deren Bus wegen des zusätzlich auch noch stattfindenden Marathons an der Weiterfahrt gehindert war und der deshalb mit trotzig lautem Schlagergedröhn unter unserem Fenster zum Stehen kam.

Da Schlagermove und Marathon als Konkurrenzveranstaltungen offenbar noch nicht ausreichten, fand parallel zum Schwarzen Picknick außerdem die Altonale statt, ein großes mehrtägiges Stadtteil-Kulturfest. Entsprechend krass war das Verkehrschaos. Nicht gerade Idealbedingungen für das Picknick also, zumal an diesem Tag es obendrein auch noch der liebe Gott höchstselbst droben aus seinem Himmelszelt pflegte, seine schwarzen Schäfchen zwischendurch immer mal wieder zu bepullern! (Falls es diesen Sack zwischen den Wolken gibt, wird er uns unsere kleine Blasphemie bestimmt verzeihen, denn wenn er genauso wenig Humor hätte wie viele seiner Anhänger, dann wäre er schließlich kein lieber Gott, sondern ein ziemlich mieser grimmiger Gott, ein echter Drecksack! Und dann hätten wir alle miteinander sowieso die Arschkarte gezogen. Und wer jetzt – ausgerechnet – an dieser Stelle den roten Faden sucht, der ist sowieso nicht mehr zu retten! ☇😈😜)

Trotz der Häufung von Großereignissen und der Gemengelage ihrer Folgen: Das Picknick fand statt! Es waren sogar ein paar Leute da! Wenngleich die etwas wehmütig anmerkten, dass in den Jahren davor deutlich mehr kamen. Vielleicht haben die sich angesichts der vielen bunten Gestalten in der Stadt ja einfach nicht vor die Tür getraut? Oder aber – und das wäre jetzt ECHT un-true, super-undunkel und voll antipunk – sie waren beim Schla-Schla-Schlager… NEIIIIIN!!! Huhu, Herr Wachtmeister! Wo ist die Szenepolizei, wenn man sie braucht?

Keine Panik, auch diese Story hier hat ein Happy End – und zwar ein paar Bildchen vom Picknick:

(Klicken oder Antippen, um die Bilder in voller Pracht zu sehen und durch die Galerie zu navigieren)


Summary: Every summer a gothic picnic takes place in Hamburg in the Jenish Park. In previous years, the meeting was better attended. But this time some other events had been held at the same time and in the same part of the city, e.g. the Schlagermove festival, a marathon and also a popular culture festival called Altonale. Probably some people were there instead. In the whole city was a big traffic chaos and also the weather was a little humid and rainy. But some brave black socks had not been deterred!

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3 Gedanken zu „Schwarzvolk im Park

  1. Ach Schnuffis, was für ein herrlicher Lagebericht! Und wieder einmal erkenne ich Geschwister im Geiste, die mit ihrer schönen Auffassung zu subkulturellen Szenebummens, paasgenau den Zahn, das Hirnchen und vor allem dett Herze vom Igorchen trifft. Danke fürs teilhaben lassen!!! 😉

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