Tapfere Männer retten Welt vor dem Gehörnten

Welche Aufregung! Die armen Menschen! (English summary below)

Das, obwohl der Bulle vorher „ordentlich betäubt“ worden war – sogar mit 2 Bolzenschüssen statt mit einem! Fluchtursache waren demnach unwillkürliche Muskelzuckungen, oder wie passt das zusammen? Zum Glück haben sie das verletzt im Wasser kauernde gefährliche Monster mit mehreren Gewehr- und Bolzenschüssen niederstrecken können. Nun kann die Welt wieder aufatmen. Hach, diese mutigen Mannen!

Meine Ironie hilft nicht gegen die Übelkeit, die mich beim Lesen des Artikels überkommt und sie hilft mir kein bisschen hinweg über die Tränen, die mir gegen meinen Willen runterlaufen, während ich trotzig versuche, cool zu bleiben und mich zu sammeln. Ich empfinde einfach nur hilflose Wut und Verzweiflung. Wie verächtlich und zynisch sind die Worte in diesem Zeitungsbericht? Wie grausam und zynisch ist unser Umgang mit fühlenden Mitwesen?

Die Überschrift hier ist übrigens gelogen. Im Artikel der SZ ist zu erkennen, dass der Bulle überhaupt keine Hörner hatte. Die werden üblicherweise den Kälbern ausgebrannt, ohne Betäubung. Der Bulle war sein ganzes Leben keine Bedrohung für Menschen, er wurde von ihnen bedroht. Immer wieder gelingt es einzelnen Tieren, aus der von uns für sie bestimmten Hölle zu fliehen. Manche entkommen unverletzt und werden dennoch hingerichtet – wie Verbrecher. Berichte darüber sind oft nur in Lokalblättern zu finden und drehen sich meist um die Aufregung und den Unterhaltungswert und keineswegs um die Not der Tiere. Dazu sind Schlachthäuser und Megaställe einfach zu weit aus unserem Blickfeld gerückt und das dort versteckte Leid zu alltäglich. Eine zweite Emily, ein entflohenes „Nutztier“, das zur Legende wird, wird es nicht geben. Emilys dramatische Flucht hatte einst weltweit für Schlagzeilen gesorgt und Menschen mobilisiert, ihre Geschichte wurde sogar verfilmt.

Offenbar werden wir so sehr überrannt von negativen Schlagzeilen und fühlen uns jedesmal zu hilflos oder zu schuldig, um noch fühlend hinsehen zu wollen oder noch bereit zu sein, für irgend etwas Verantwortung zu übernehmen. Lieber sehen wir uns selbst in vielerlei Hinsicht als Opfer oder als ungerecht behandelt. Das ist faktisch auch nicht ganz falsch und angesichts der stetigen Katastrophenschwemme sicher der bequemste Weg, und er hilft temporär, Schlimmes auszublenden, was manchmal tatsächlich klug und nötig ist. Entnervtes Abwenden allerdings macht uns nicht gerade souveräner, noch hilft es auf Dauer. Es mag für den Moment entlasten, doch ist Wegschauen ein stetiger Kraftakt, der uns anhaltend schwächt gegenüber dem temporären Aufwand, sich unbequemen Dingen zu stellen. Darüber gibt es viele kluge Bücher und eigentlich wissen wir das auch. Wer beherrscht das schon? Ich nicht!

Beim Thema Gewalt aber (egal gegen wen) geht es nicht nur um uns selbst und unsere persönlichen Marotten. Vielmehr geht um das Leben und den Tod anderer, der, gemessen an dem Opfer, das den Betroffenen aufgenötigt wird, für uns verhältnismäßig leicht zu verhindern wäre. Trotzdem neigt ein Teil von uns auch dann noch zur Nabelschau. Ich nehme mich dabei nicht aus. Den Tieren gegenüber, die uns absolut ausgeliefert sind, schaffe ich das weniger-Schaden, indem ich es nicht bezahle und Tierprodukte nicht konsumiere, vielleicht weil Tiere uns gegenüber viel hilfloser und ausgelieferter sind als ein menschliches Gegenüber und weil ich nicht will, dass jemand anderes sie an meiner Stelle einsperrt und absticht, damit ich, die diese Taten nicht übers Herz brächte, dann irgendwelche Körperteile oder ihre für den Nachwuchs bestimmten Abscheidungen wie Milch oder Eier in mich reinstopfen kann. Ich habe mich differenziert schlau gemacht, mit welchem unsäglichen Grauen die „Gewinnung“ dieser Produkte einhergeht – sowohl für die ausgebeuteten Tiere, als auch für die ausgebeuteten Menschen – und ich brächte es nicht über mich, das weiter zu unterstützen. Sehr viele Leute ahnen trotz verstärkter Aufklärung noch immer nicht, was da eigentlich passiert. Nicht wenige glauben an Mythen, etwa dass Kühe immer Milch geben würden und gemolken werden müssten oder „Lege“hennen nun einmal Eier legen würden, weshalb man die schadlos entnehmen könne. Die Wahrheit jedoch ist sehr unschön und schmerzhaft. Ich selbst habe Tiere aus dieser Hölle kennengelernt und Menschen, die sich um diese ausgebeuteten kranken qualgezüchteten Wesen kümmern, welche das Glück hatten, freigekauft oder befreit worden zu sein, und ich kenne Leute, die die wirklich unsäglichen Abgründe dokumentieren, die den „Nutztieren“ angetan werden. Wie schwer es diesen Leuten gemacht wird, die damit eine große Bürde auf sich nehmen, spricht nochmals eine eigene Sprache. Trotz der traurigen Tatsachen ist es tröstlich, dass es all diese Menschen gibt und es tut gut zu sehen, wie Tiere, die einst dahinvegitierten, auf einmal ihre Persönlichkeiten entfalten, wenn man sie nur lässt.

Ich wünschte, mehr meiner Freunde und mehr aus meiner Familie würden anfangen, da auszusteigen. Ich bin selbst in vielerlei Hinsicht maximal unperfekt, leide massiv an Aufschieberitis und bin zumeist nervtötend unkonsequent. Ich habs erstaunlicherweise geschafft. Deshalb glaube ich, dass z.B. Du das wirklich auch hinkriegen kannst. Wenn Du nun zumindest einige Schritte tust, dass das unsägliche allgegenwärtige Leid der Tiere weniger wird, dann bewirkst Du allerdings auch dann was, wenn es nicht gleich „High End“, perfekt oder maximal konsequent ist. Der mit Abstand effektivste Weg ist der über die Ersetzung tierischer Produkte durch pflanzenbasierte (je mehr, desto besser natürlich, doch jeder einzelne kleine Schritt bewirkt etwas, wie uns die Geschichte und auch derzeitige Entwicklungen lehren), und es gibt weitere Möglichkeiten, z.B. diese bei Animal Equality aufgeführten.

Viel Spaß wünscht Dir die inzwischen tränengetrocknete, wieder ein wenig hoffnungsvollere Maria, die sich über Feedback, Fragen, Anregungen freut. Du kannst unten einen Kommentar hinterlassen oder über das Kontaktformular eine Mail schicken.


Summary: A bull escaped seriously injured from slaughterhouse and tried to save himself into a river. His persecutors shot him down and he died in agony. That makes me sick. But my sadness and dispair not only let the tears run over my face, it also makes me write this article to give this dead a sense to set an impulse in you for thinking about and taking responsibility. Nobody is perfect, least of all myself, but steps are always possible. The most effective step you can do is to replace animal products, at least in part. The production of meat, eggs and dairy products is in fact the most giantic cruelty on planet – not only for non-human animals, also for our own species.

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