Hambug räumt auf!

Wir alle haben noch die schrecklichen Bilder aus Hamburg vom Wochenende in Erinnerung, die durch die internationalen Medien gingen. Wilde Horden ergossen sich marodierend durch Hamburgs Straßen und verwüsteten ganze Stadtteile. Wie man derweil aus der Presse weiß, hatten die meisten der Vandalen keine politischen Motive, sondern waren einfach nur sturzbetrunkene, event-orientierte Partytouristen.

Doch zum Glück gibt es Hamburger/innen, die ihre Stadt lieben und hinterher wieder für Ordnung sorgen wollten, um Hamburg wieder zu dem zu machen, was es eigentlich ist: eine saubere, strahlende Metropole, die sich im Glanz internationaler Events so sonnen kann, wie sie es verdient. Und so folgten auch wir, wie viele andere, diesem Aufruf, um die Stadt nach den schlimmen Exzessen vom Samstag wieder sauber zu machen:

!Fight Ordnung with Ordnung!
Der Schwarze Block räumt auf
mit vorherrschenden Ressentiments und dem Chaos des Schlagermoves. Am Samstag erwartet Hamburg wieder Schlagertrupps und alkoholisierte Horden die Dummheit und Ignorangst verbreitend durch die Straßen ziehen. Nach einer Nacht und einem Tag mackriger Feierei, sinnlosem Rumgegröhle, unkontrolliertem Alkohol- und Kackmusikkonsum und sexualisierten Übergriffen werden Teile der Stadt einem Schlachtfeld gleichen. Trümmer und Scherben prägen für gewöhnlich nach einer solchen Schreckensnacht das Straßenbild.
Doch wir, die netten Linksextremen von nebenan werden das mit Herz und Besen in Ordnung bringen. Der schwarze Block betont ausdrücklich, dass dies eine polische Aktion sein. Also zieht euch schwarz an und bringt Handbesen, Kehrblech und Müllsäcke mit. Join the Wischmob!
Treffpunkt ist Sonntag um 12 Uhr an der U-Bahnstation St Pauli
Keiner stoppt den linken Spass!

Erstmalig in unserem Leben schlossen wir uns, bewaffnet mit Putzhandschuhen und großen Müllsäcken, also einer Aktion des Schwarzen Blocks an.

Antifa heißt Aufräum

Doch zunächst mussten ein paar Formalitäten mit der Polizei geklärt werden. Eine Handvoll – wir waren ca. 30 – schwarz gekleideter Menschen benötigt selbstverständlich die Aufmerksamkeit der Staatsgewalt, die sich zunächst in Gestalt zweier Polizisten manifestierte. Die Veranstaltung war zwar angemeldet, doch es gab ein Problem:

„Einige von Ihnen sind vermummt“.

Ja klar, das war ja der Sinn der Sache: Zu zeigen, dass der vorgeblich so böse, vermummte Schwarze Block so lieb ist, das geplagte Viertel von den Resten des Schlagermoves zu befreien. Doch Vermummungsverbot ist Vermummungsverbot, da ließen die Beamten nicht mit sich reden.

Gemeinsam loszugehen, um sich putzend die Reeperbahn entlangzubewegen, war für uns als Versammlung unter diesen Umständen also illegal.

Während wir schon mal anfingen, das Plätzchen vor unserem Treffpunkt, der U-Bahn-Station St. Pauli, gewissenhaft zu reinigen, verhandelte der Veranstalter mit der Polizei – die sich wie aus dem Nichts auch unmerklich vermehrte. Sah man einmal weg und wieder hin, standen statt zwei auf einmal schon vier Streifenpolizisten da, schloss man ein weiteres Mal die Augen und öffnete sie wieder, standen plötzlich auf der anderen Straßenseite schon ein Dutzend Bereitschaftspolizisten in Kampfmontur – allerdings noch mit den Helmen unter den Armen und deshalb noch nicht ganz so martialisch aussehend wie eine Woche vorher beim G20-Gipfel. Und ohne Hubschrauber.

Gemeinsames Aufräumen nach dem Schlagermove

Immer mehr Streifenwagen

Die Polizei passt auf, dass… äh… auf… äh ja, worauf eigentlich?

Die Situation wurde nach gefühlt stundenlangen Verhandlungen schließlich so gelöst, dass die Veranstaltung aufgelöst wurde und uns gestattet wurde, uns „in Kleingruppen verstreut“ fortzubewegen. Voller Tatendrang taten wir genau das und konnten endlich loslegen, die Reeperbahn von den Verwüstungen des Bunten Blocks zu befreien. Und so zog unser schwarzer Putzblock los und begann mit der Arbeit.

Begleitet von einer stetig wachsenden Anzahl Streifenwagen, die den rechten Fahrstreifen der Reeperbahn blockierend im Schritttempo neben uns herfuhren, sowie unter dem Applaus und den neugierigen Blicken und Fragen der Passanten, bewegten wir uns Müll sammelnd, kehrend, polierend und fegend langsam die Reeperbahn entlang. Auch auf dem Bürgersteig stieg die Zahl der Polizisten, und so musste es auf manche Passanten wirken, als passe die Polizei darauf auf, dass der Schwarze Block auch ordentlich saubermache. Ein Missverständnis, welches wir gerne vermieden hätten.

Gewissenhaft wurde mit Pfefferspray-Entferner, Kinderbesen und Zahnbürste jede noch so kleine Fuge gereinigt. Der Müll bestand aus den typischen Schlagermove-Überbleibseln: Plastikbechern, Limetten und anderen Cocktailresten, albernen Brillen und vor allem vielen vielen zerbrochenen Glasflaschen. Und wie um dem Klischee „Schwarzer Block = Radau“ Genüge zu tun, hatte einer der Teilnehmer einen Laubbläser mitgebracht und machte damit mächtig Lärm.

Doch so ganz schien es uns nicht zu gelingen, uns weit genug zu zerstreuen und damit den Veranstaltungscharakter unserer Reinigungsmühen vollständig zunichte zu machen. Und so schritt die Staatsmacht, die derweil auf beachtliche 14 Streifen- und vier Mannschaftswagen samt Inhalt angewachsen war, ungefähr auf Höhe des FC St. Pauli-Fanshops schließlich doch noch ein. Zunächst wurde der weitere Weg geradeaus durch eine Handvoll Bereitschaftspolizisten, diesmal mit Helm und in voller Montur, abgeriegelt. Gleichzeitig näherte sich von hinten ein beachtlicher Trupp weiterer Gewaltmonopolisten. Wir beide drückten uns ein wenig in der Gegend herum, versuchten keine Aufmerksamkeit zu erregen und hoben hier und da ein Konfettischnipsel auf.

Am Ende wurde uns verkündet, was wir schon ganz am Anfang gehört hatten: Wir seien eine Versammlung und hätten uns jetzt sofort, in Kleingruppen und in unterschiedliche Richtungen, zu zerstreuen. Dieses Mal alledings unter einer weiteren strengen Auflage: Absolutem Putzverbot.

Da wir angesichts der inzwischen gewaltigen Übermacht der Polizei – ungefähr 100 Bereitschaftspolizisten auf ca. 30 putzende Linke – vor unserem geistigen Auge schon die Wasserwerfer um die nächste Straßenecke biegen sahen, gaben wir auf und folgten der Anordnung ohne Widerstand und, ja, auch ein kleines bisschen stolz auf die Aufmerksamkeit, die unserer kleine Aktion beim Staat erregte.

Und auch etwas unzufrieden, weil wir unsere Mission ja nun nicht zuende bringen konnten.

Schwarzes bleibt schwarz. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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12 Gedanken zu „Hambug räumt auf!

  1. Ein bisschen bedauern wir ja schon, dass die sogenannten Ordnungshüter, wenn sie schon nicht gar nicht mit Ordnung gemacht haben, nicht dann zumindest ein paar Wasserwerfer zum Nachspülen geschickt haben.

  2. Pingback: Schwarzer Mop will nach Schlagermove in Hamburg aufräumen, Polizei unterbindet das – Das Kraftfuttermischwerk

  3. Pingback: Schwarzer Mop will St. Pauli nach Schlagermove aufräumen, Polizei erteilt Putzverbot – Interweb3000

  4. Hey super Aktion, hätte ich es vorher mitgekriegt, ich hätte mitgemacht! Hab Samstag nicht das Haus verlassen, aus Angst vor schlimmen schrillbunten GlitzerStyleVerirrungen gepaart mit Hacke hoch zehn! Danke für das aufräumen des Schwarzen Blocks, nachdem der Rosa Block mein Viertel verwüstet hat!!!

    • Schrecklich furchteinflößend dieser wild um sich schlagernde Mob. Nicht mal die Polizei hat sich wirklich an den rangetraut. Ein paar Cops haben sich wohl von Schlagertrupps überwältigen und mit Luftschlangen festsetzen lassen. 😱 Es kursierten gar grauenvolle Bilder im Netz. 😨

    • Lieber Götz, das ist der Hammer! 😀 Wie großartig Du das liest und wie lebendig Du es zelebrierst! MEGA! Auch die anderen Fakten, die Du ansprichtst, und Deine schlüssigen Interpretationen sind sehr nachdenkenswert. DANKE! ❤

  5. Kchkchkchkch..ihr irren Widerständler! Meine Güte, als Bullizist, hätte ich auch Angst vor euch gehabt..Dett die sich nich selbst albern vorkommen…

Ein Gedanke von mir:

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