Ich werde geliebt, sofern, im Falle, wenn

Ich gehöre anscheinend zu den Wesen, die man wirklich ganz nett findet, aber oft nicht versteht oder verstehen will. Solange ich anderen zuhöre, bin ich beliebt. Doch mir scheint, Menschen sehen dieses Zuwenden und Verstehenwollen nicht immer als etwas Gegenseitiges an oder ich bin es denen selten wert.

Wave und Gothic turnen mich bei Partys an. In Hamburg gibt es – wie überall – neben den groß ausgeschriebenen Partys auch kleinere feinere. Der Unterschied ist nahezu immer, dass auf den größeren Partys die Gäste oft recht klischeehaft auftreten, zwar manche überaus fantasiereich und individuell, jedoch oft mutet es mich an, als wollten sie beim kollektiven aus-der-Reihe-Tanzen nicht aus der Reihe tanzen. Vor einiger Zeit habe ich eine frühere Klassenkameradin in Hamburg wiedergetroffen. Ich hätte mit ihr durchaus gern mehr zu tun, aber bisher kam es noch nicht dazu, obwohl wir uns zwei oder dreimal zufällig über den Weg liefen. Da traf ich sie plötzlich auf einer jener gediegeneren Wave-Gothic-Partys wieder. Sie sah bunt-bonbonhaft-90ermäßig aus, alles passte in einer Weise überhaupt nicht zusammen, dass es perfekt zusammen passte. Sie hat eine besondere Gabe dafür. Sie hat eigentlich immer eine schillernde erfrischende Aura und muss sich dafür gar nicht extra aufdonnern. Sie hat einfach einen Blick für Details, Künstleraugen eben, was ich beneidenswert und toll finde. Auf jener Party war sie nicht die einzige „Bunte“. Es war dort weniger effektheischender Gothic-Erotic-Style zu sehen wie auf den großen Partys (den ich ebenfalls liebe), sondern eigenwilliges Understatement.

Jedenfalls habe ich mich gefreut, sie zu sehen und begrüßte sie mit den Worten: «Hey! Wie schön Dich hier zu sehen!» Ich stürmte auf sie zu und drückte sie und dann schob ich grinsend nach: «Wie kannst Du es wagen so herumzulaufen! Zieh‘ Dir mal was Schwarzes an!» Sie reagierte irritiert und fragte ernst: «Wieso?» Ich sagte so was wie: «Quatsch! Das war ein Witz, extra flach!» Ich schob noch nach, dass ich Ihren Stil super finde, aber da hatte sie sich schon weggedreht und ließ mich stehen. Ich hatte keine Chance, es zu klären. Ich versuchte an dem Abend noch mal, auf sie zuzugehen, und sie wendete sich weg. Ich glaube, das war es.

Etwas Ähnliches ist mir nicht lang danach mit jemand anderem passiert. Wir waren mit Freunden essen, da erspähte ich beim Aufbrechen einen flüchtig Bekannten. Stefan und ich hatten ihn kurz vorher kennengelernt und es ergab sich ein recht intensives Gespräch mit ihm. Er wirkte nach außen sehr ernst und cool und fast furchteinflößend, jedoch zeigte sich, dass er ein durchaus fragiler Mensch ist. Das Gespräch war sehr vertrauensvoll und der Abschied herzlich. Zurück zur Situation: Er saß mit einem Freund an einem Nachbartisch. Während ich nach meiner Jacke kramte, wartete ich auf eine Gesprächspause zwischen den beiden, um ihn zu begrüßen. Die anderen waren schon draußen, als ich auf ihn zutrat. Ich reichte ihm die Hand und rief erfreut «Hey Digger!» Er lehnte sich zurück und motzte mich an, meine Äußerung sei wirklich total daneben und erheblich verletzend, ich würde ihn wegen seines Übergewichts wohl vorführen. Ich rief «Nein! So meinte ich das überh…» Er ließ mich nicht mehr zu Wort kommen, betonte laut und vernehmlich, wie unmöglich er das findet und wendete sich aktiv ab und seinem Freund zu. Ich stand da wie ein begossener Pudel und andere starrten mich an. Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken. Für mich hat die Redewendung „Digga“ gar nichts mit Übergewicht zu tun, sondern ist einfach nur eine Begrüßung, die in dem Moment heiter rüberkommen sollte. Ich ging davon aus, „Digga“ meint so etwas wie „guter Freund“ (von der Redewendung „dicke Freunde“). Das konnte ich aber nicht mehr erklären.

Das sind nur zwei Beispiele. Ich habe den Eindruck, dass recht viele Menschen sehr schnell urteilen und dabei gar nicht nachfragen. Und schlimmer noch, ich habe den Eindruck, manche interessieren sich gar nicht für die Wahrheit und haben eine Art Spaß oder Genugtuung damit, etwas Böses zu unterstellen. Auf jeden Fall habe ich mich in den genannten Fällen wohl menschlich getäuscht, ich scheine, entgegen meiner Hoffnung oder meines Eindrucks, diesen Menschen nichts zu bedeuten. Im letzteren Fall ist es um den Kontakt nicht schade (das war einfach zu arg), im ersten Fall schon. Ich bin meinerseits zu enttäuscht, um noch einen Versuch zu wagen.

Auch sonst habe ich bei manchen Menschen, darunter auch welchen die mir (scheinbar?) nahe stehen, den Eindruck, sie interessieren sich nicht wirklich für mich. Als erfüllte ich nur eine Funktion und als wäre das, was mich bewegt, inspiriert, ausmacht, nicht der Rede wert. Letztens habe ich ein Gedicht geschrieben. Nun sind Gedichte nicht jedermanns und jederfraus Sache. Es ist jedoch so, dass ich tief bewegt war und das damit transportieren wollte, und es auch um etwas geht, was mich allgemein sehr umtreibt, zuweilen hilflos, zuweilen wütend macht. Das Gedicht war als Song angedacht, nur fehlt mir zum Musikmachen leider das Handwerkszeug. Es heißt „Die schwarze Bache“ und handelt von Ausbeutung, Kälte, Brutalität, Hoffnung und Gerechtigkeit. Ich fragte Freunde, wie sie es finden. Viele haben geschwiegen, es vielleicht gar nicht erst angeschaut, oder fanden sie es so albern? Es verunsichert mich. Was mich allerdings sehr überrascht und richtig freut: Einige noch flüchtige Freunde gaben Rückmeldung und waren sogar berührt. Eine enge Freundin schrieb mir, ich solle lieber etwas Helles schreiben. Als ich antwortete, dass es mir schon um den hellen Kern geht und dass ich denke, dass Dunkles nur hell werden kann, wenn man es beim Namen nennt und verändert, kam nichts mehr zurück. So etwas macht mich traurig. Es geht doch hier um meine Empfindungen und Gedanken, die ich teile, ich kann doch nicht nur das teilen, was andere von mir wünschen. Natürlich sage ich mir, dass es doch schließlich auch Menschen gab, die Anteil genommen haben, und ich freue mich darüber sehr. Doch bei Menschen, die mir länger schon vertraut sind, da tut es mir in besonderer Weise weh, wenn sie etwas übergehen, das mich ganz stark ausmacht. Natürlich kann man Gegenteiliges nicht verlangen, doch es enttäuscht mich. Immerhin aber hat sich besagte Freundin geäußert. Und eine andere Freundin ist sogar richtig tief darauf eingegangen und hat mit mir geteilt, wofür das Gedicht aus ihrer Sicht alles steht und was sie dazu empfindet. Diese Tiefe suche ich. Hier ist sie aufgetaucht, während sie mir mit so vielen anderen Menschen entgleitet. Jetzt, wo ich es schreibe, bin ich beiden Freundinnen sehr dankbar und besonders freut mich, was Letztere mit mir teilte.

Allgemein ist die Freude nur leider gerade überlagert von Trauer, weil ich spüre, dass mir gerade ein anderer enger Mensch mehr und mehr entgleitet und es auch durch Worte (die sehr rar geworden sind) nicht aufhaltbar scheint. Und das tut so weh, dass ich darüber schweigen möchte. Solche Entwicklungen sind doch eigentlich ganz normal, oder? Ich sollte es einfach akzeptieren, will ich auch, doch es tut einfach weh, schon einige Zeit jetzt. Ich habe es halt abwechseln verleugnet und versucht zum Guten zu wenden, doch das klappt nicht, auch weil ich mich im Kontakt seither befangen und gelähmt fühle. Zum Glück geht es übrigens nicht um meine Partnerschaft.

Vielleicht sollte ich einfach das Wehtun hinnehmen und akzeptieren. Es macht schließlich sowieso, was es will. Vielleicht verwandelt es sich dann mit der Zeit. Vielleicht leuchten mit der Zeit dann die positiven Erlebnisse und inspirierenden Begegnungen wieder gebührend hervor. Sie leuchten jetzt ja auch, nur etwas gedämpfter – und sind wichtiger denn je.

Danke fürs Lesen, vielleicht gibt es ja noch mehr ungewollte „Sozialtrampel“ da draußen. Mir gefällt der Gedanke, ich würde es sympathisch finden. ❤ – Maria

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15 Gedanken zu „Ich werde geliebt, sofern, im Falle, wenn

    • Oki, Danke. Vielleicht sollte ich mir diesen Warnhinweis draufpappen. 😉

      Vielleicht bin ich auch einfach nicht toll genug, um nett behandelt zu werden. Dann ist es so, Verbiegen wäre nur ne Scheinlösung. That’s life.

      „Mal verliert man – mal gewinnen die anderen.“ (Otto Rehagel) 😉

  1. Liebe Maria, sei nicht zu sehr traurig, andere Menschen wissen gar nicht, was sie einem damit antun. Auch wenn es dir schwer fällt, mache cuts. Wirst sehen, wo eine Türe zu geht, macht dafür eine andere auf. Und einige Freunde, die richtig tiefen, guten, die bleiben dir. Es müssen gar nicht viele sein, 3-4 genügen.
    Habe jetzt in dem Jahr der Chemotherapie erfahren, wer mein Freund ist und wer nur mit mir „bekannt“ ist. Es gibt Leute zum Weggehen und Spaß haben, aber mehr auch nicht. Aber die anderen, die nicht nur zum Lustigsein, sondern auch zum Zusammenweinen da sind, das sind die Richtigen. Von den Energieräubern hab ich mich innerlich und auch äußerlich verabschiedet.
    Du bist jünger als ich und ich habe lange gebraucht, bis ich so weit war und mir das Herz nicht mehr gebrochen ist, bei Situationen, die du beschrieben hast. Denk, daran „wir sind Eisblumen, viel zu schön für den Tag“, sprich „zu gut für fiese Menschen“😘
    LG Elisabeth

    • Danke liebe Elisabeth!

      Da hast Du echt was durch! Ein Glück hast Du sie, die echten Freunde! ❤

      Ja, Ersteres wird schon auch stimmen. Manche wären bestimmt erschrocken, wenn sie wüssten, bzw. mal nachspüren würden, was sie beim Gegenüber damit erzeugen. Ich habe aber auch den Eindruck, dass es ihnen teilweise schlicht egal ist und das Gegenüber für sie gar nicht wirklich zählt. Ich selbst bin tatsächlich auch keine Zwanzig mehr und meine, da eine Entwicklung wahrzunehmen in Richtung mehr Kälte. Es ist heute so leicht, immer neue Leute kennenzulernen, gerade auch durch die virtuellen Möglichkeiten. Das ist eigentlich toll. Bloß scheint es mir, als würde mensch sich kraft dieser "Angebotsfülle" auch sehr viel schneller disqualifizieren als früher. Bei der kleinsten Kleinigkeit gehen Kontakte entzwei oder entstehen erst gar nicht richtig. Es gibt es immer welche, die noch mitreißender und noch attraktiver sind oder noch mehr Beifall klatschen. Da muss mensch sich mit einzelnen Nasen nicht lange aufhalten.

      "Blöderweise" bin ich ziemlich treu. Es gab seltene Fälle, wo ich meinerseits den Kontakt abbrach, weil ich keine andere Lösung sah. Und selbst da war es so, dass ich nach gebührender Zeitspanne versucht habe, nochmal in den Kontakt zu treten und es zu einem guten Ende zu führen, egal ob Freundschaft oder Partnerschaft. Wenn ein Kontakt auf schräge Weise abbricht, dann hängt mir das sehr nach, dagegen kann ich wahrscheinlich gar nichts machen. Und manchmal ist halt auch einfach ein Ungleichgewicht da, also dass das Gegenüber mir viel bedeutet, ich ihm aber eher wenig. (Umgekehrt kenne ich das natürlich auch!) Bei einem Freund, mit dem ich lange rege in Kontakt stand, guckte ich am Ende hilflos zu, wie ich "ausgeschlichen" werde, also der Kontakt immer mehr gedrosselt wurde und dort andere wichtiger wurden. Das sind alles ganz normale Vorgänge, doch mir hängt es unglaublich nach, ohne dass ich das will. Ich muss mich richtig zwingen, da nicht traurig "drauf zu starren", sondern meine Aufmerksamkeit woanders hin zu lenken.

      Vielleicht hängt auch so manche Ablehnung damit zusammen, dass ich von vielen Nichtveganern grundsätzlich als wandelndes schlechtes Gewissen und Kritikerin empfunden werde, egal ob und – falls ja – wie ich mich äußere. Hier kommt ja immer einerseits zum Tragen, dass die eine Seite das Verbrechen an den Tieren im Hinterkopf hat, die andere Seite aber glaubt, man missbillige (offen oder unausgesprochen) ganz einfach nur deren Kostform, und das, obwohl sie ihrerseits doch schließlich auch das Vegansein akzeptiert. Beide Seiten kleben auf unterschiedlichen Ebenen. Hinzu kommt, dass ohnehin unterschiedliche Positionen oft vorschnell als Angriff gegen die eigene Person empfunden werden. Das steckt uns wohl in den Knochen, wir haben hierzulande keine echte Streitkultur, es artet schnell in einen Wettstreit aus, und keiner will "der Verlierer" sein. Jedenfalls habe ich den Eindruck, mein Vegansein macht Menschen Angst und schiebt eine Barriere zwischen meine nichtveganen Freunde und mich.

      Vielleicht bin ich ganz einfach gerade in einer Umbruchphase, wo sich Kontakte neu zurechtruckeln. Ich habe ein paar interessante Menschen kennengelernt. Hoffentlich verderbe ich es nicht, schreit mein innerer Miesepeter! Soll er ruhig. 😂 Ganz liebe Grüße – Maria

      • Liebe Maria,

        kann dich sehr gut verstehen. Die Zeit ist echt so schnelllebig und nur das Äußere zählt, traurig das Spiel.
        Wenn was schief endet, hängt einem das echt lange nach. Ich war auch eine, die das sehr belastete. Aber aus Selbstschutz muß man versuchen, sich zu schütteln, wie ein Hund im Regen🙂 Denke, wer dich so mies behandelt, ist deiner nicht wert. Du sagst, daß du treu bist und das ist so schön! Eine tolle Charaktereigenschaft ist das und leider so selten in dieser Gesellschaft. Aber wir können die Menschen nicht ändern, deshalb müssen wir versuchen, uns selber zu schützen. Das ist eben nicht leicht und wie gesagt, es hat sehr lange gedauert, bis ich das konnte. Und du wirst im Lauf der Zeit auch lernen, umzudenken. Du bist eine zarte Seele, glaube ich, die erwischt es immer am leichtesten mit den Verletzungen. Als ob es einem auf der Stirn stünde: kommt alle her, mir kann man leicht weh tun. Die oberflächlichen Typen tun sich da leichter, entweder keiner verletzt sie oder sie checken es nicht. Es ist aber viel schöner, ein sensibler, herzlicher Mensch zu sein, trotz der Verletzungen🙂 Also sei stolz, daß du eine empfindsame, zarte Seele hast.

        Laß dich nicht klein machen dafür, daß du vegan lebst! Ich glaube, daß diejenigen, die da irgendwie dumm gucken, echt ein schlechtes Gewissen haben, aber so egoistisch sind, auf nichts verzichten zu wollen. Vielleicht ist auch ein bißchen Neid dabei, daß sie nicht die power haben, auch vegan zu leben. Sobald sich Neid oder Unverständnis in einer Freundschaft bildet, entsteht eine Barriere. Sie ist so spürbar und wenn man sich darüber nicht ausspricht, kommt keiner mehr über die Sperre und man kann nicht mehr unbeschwert und vertrauensvoll miteinander umgehen. Es liegt dann einfach in der Luft und beschwert alles.
        Bei manchen löst auch etwas, das sie nicht kennen, oft Ablehnung aus.
        Ich weiß nicht, daß das riesengroße Leid der Tiere, solche Menschen nicht bewegt. Da wird einem von den Bekannten gesagt: ja, die armen Tiere, wie schrecklich. Aber keiner von denen hilft mit irgendwas, ich werde das nie verstehen! Sie fressen trotzdem weiterhin Fleisch in sich hinein, haben nie einen Euro für den Tierschutz übrig, sondern machen lieber Weltreisen und kaufen sauteure Klamotten.

        Ja, Maria, vielleicht befindest du dich schon in der Umbruchphase, weil du schon so viel über diese Beziehungen und den Umgang miteinander nachdenkst😊 Vielleicht reicht es dir jetzt endlich endgültig, daß sich die Leute so verhalten.
        Laß den Miesepeter ruhig schreien und denk aber lieber: Leute verderbt es euch besser nicht mit mir, sonst versäumt ihr die Freundschaft eines lieben, treuen Menschen🤣

        Grüße dich herzlich🌺💫
        Elisabeth

      • Danke für das Eisblumenlied, liebe Elisabeth! Tatsächlich entspannt mich die Nacht, ich kann dann mehr ich selbst sein und dieser „Ich müsste/sollte…“-Druck ist weg. Vor allem aber wirkt alles ruhiger und harmonischer. Ich bin sogar auch gerne nachts Auto gefahren, war dann viel entspannter (jetzt in der Großstadt brauche ich kein Auto mehr). Und natürlich gehe ich auch gern tanzen. 🙂 Ich könnte mal wieder nachts durch die Straßen gehen. Das finde ich irgendwie auch sehr schön – überall die erleuchteten Fenster und alles viel stiller.

        Das Gefühl, das Du beschreibst, als würde auf der Stirn stehen „Kommt alle her, mir kann man leicht wehtun“, das kenne ich sehr gut. Lange wollte ich mir selbst abverlangen, mir meine Verletzlichkeit abzugewöhnen und ich schämte mich sogar richtig, dass ich so leicht traurig werde, wenn mich jemand abweist, mich ausschließt oder beleidigt. Ich wollte das gefälligst aushalten und sportlich nehmen. Natürlich ist es schon hilfreich und wichtig, das zu lernen. Doch sich noch obendrein selbst fertig zu machen, wenn es nicht klappt, ist nun auch nicht gerade die beste Idee. 😉 Jetzt schau ich mal, wie sich das mit den Kontakten zurechtruckelt. Da ist ja gerade ein wenig Bewegung drin. 😘

        Was das Veganleben angeht, habe ich schon stark den Eindruck, dass es oft eine Kluft schafft. Andererseits ähnelt es ja irgendwie der Situation die Du erlebt hast, als Du krank warst. Es zeigt sich, wer sich für einen wirklich interessiert. Zu mir gehören ja nun einmal die Dinge, die mir am Herzen liegen, wie etwa, dass Menschen und Nichtmenschen weniger Leid und Unterdrückung erleben müssen und dass jedes Individuum zählt und ein Recht auf ein unversehrtes lebenswertes Leben hat. Wenn das übergangen wird, dann ist der Kontakt nicht mehr authentisch und wird oberflächlich oder nur noch die Belange der anderen Person greifen Platz.

        Was dieses „Die armen XY! Wie schrecklich!“ und das gleichzeitige Nichtstun angeht, so kenne ich das durchaus auch selbst und kann es bis zum gewissen Grad verstehen. Z.B. will ich nicht, dass für meine Klamotten Menschen inkl. Kinder ausgebeutet werden. Jetzt ist es so, dass ich mich gerne auch mal „zurecht mache“. Also habe ich mich umgeguckt – aber es ist superschwer, alle Sachen von der Armstulpe bis zu den Schuhen in Faitrade zu bekommen. Auch bin ich die hohen Preise für die meist viel einfacheren Klamotten nicht gewöhnt. Ein ausbeutungsfreies Paar Schuhe immerhin habe ich inzwischen und zum Glück ziehe ich meistens olle ausgebeulte Gammelklamotten an und hasse Klamottenkaufen. Und natürlich ist es auch richtig, dass mensch die meiste Ausbeutung (auch der Menschen) allein schon durch vegane Lebensweise verhindern kann. Dennoch: Konsequent wäre es, keine Ausbeutungsklamotten mehr zu kaufen. Und ich hatte auch eine lange Vorlaufzeit, in der ich schon ganz viel über das ganze Tierleid wusste (und auch das damit verbundene Menschenleid), bis ich 2009 schließlich dann wirklich endlich vegan wurde.

        Bei allen menschlichen Unperfektheiten verstehe ich unter Freundschaft, dass mensch sich füreinander interessiert und sich gegenseitig bereichern darf, statt immer nur eine Projektionsfläche für das eigene Ego beim anderen zu suchen. Letzterer Eindruck hatte sich etwas gehäuft, vielleicht ändert sich das jetzt.

        Ganz liebe Grüße 😘
        Maria

  2. Menschen kommen und gehen, manche bleiben nur ein Weilchen mit einem, andere tauchen immer wieder auf, und wenn nicht, dann passt es halt (gerade) nicht.. ich bin da inzwischen relativ kompromisslos und bin auch selber manchmal diejenige, die wegbleibt – und wenn schon harmlose Sätze missverstanden werden wollen, dann war’s eben einfach gerade nicht das Richtige, da ist dann auch keiner dran Schuld. Wenn es passt, dann kann auch kein „falscher“ Satz irgendwas kaputt machen, also mach dir doch keinen Kopf. (und wenn es mich doch mal anfangs belastet, helfen mir auch mal ein paar flapsige Notfallsphrasen wie: „wer nicht will, der hat schon“ oder „Reisende soll man nicht aufhalten“ 😉 ) Und dein Gedicht ist übrigens klasse, es hat mich so berührt, dass ich gar nichts sagen (oder schreiben) konnte, als ich es neulich las, zumal es, wie jedes gute Gedicht einfach sich selbst genügt und keine Analyse ihm gerecht werden kann. Außerdem war ich gerade unterwegs und fand es besser, nichts zu schreiben als irgendwas. Es kommt aus der Tiefe und ist sehr berührend. Gut, dass du mich jetzt nochmal dran erinnert hast! Alles Liebe Janine

    • Liebe Janine, Ja, klasse auf den Punkt gebracht! Das ist halt Flow – Auftauchen und Abtauchen. Gute Perspektive! Du bist da viel cooler! Ich sollte mir da wirklich keine künstlichen Jammertäler basteln. Die Notfallphrasen klingen hilfreich, das versuche ich! Die fragile Eisblume (schönes Bild von Elisabeth) braucht eine Isolationsschicht.

      Danke für Deine berührenden Worte zu dem Gedicht. Gewiss ging es manchen Schweigern ähnlich, ich selbst finde ja auch nicht immer Worte. Es kamen halt insgesamt nur wenige Reaktionen von Menschen, die explizit um Feedback gebeten hatte. Doch was sollen z.B. die Nicht-Tierrechtler-Freunde schon sagen, sie fühlen sich ja vielleicht sehr gemeint! 😉

      Kleiner Einschub für Noch-nicht-Tierrechtler: Wenn ich Sachen beim Namen nenne, heißt das nicht, dass ich Euch damit verurteile. Im Gegenteil: Ich habe großes Verständnis dafür, dass in einem System, in dem sich neben Gutem viel Falsches und Grausames etabliert hat, es schwer ist, letztere Dinge zum Guten zu wenden, während es uns verführerisch leicht gemacht und überall propagiert wird, es einfach hinzunehmen und mit zu betreiben. Das gilt für Tierausbeutung wie auch die Ausbeutung untereinander. Ich bin dabei auch nicht auf allen Ebenen gut, zumal mensch sich dabei eigenständig informieren und motivieren muss und es manchmal umständlich ist. Ich denke allerdings, dass in Sachen Mitverantwortung alle von uns Schritte in die richtige Richtung unternehmen können. Und es muss nicht perfekt sein, ich halte es für genauso falsch, sich beim neu-Ausrichten zu überfordern und Perfektion zu verlangen, wie es Quatsch ist, Missstände immer nur auf „die Politik“ zu schieben, wenngleich sie ebenfalls Verantwortung trägt. Mir hat geholfen, das neu-Ausrichten als Entdeckungsreise zu sehen, auch zu mir selbst. Durch das Veganleben z.B. bin ich deutlich mitfühlender und authentischer geworden und habe mehr als früher das gute Gefühl, dass es richtig ist, was ich tu, selbst wenn mich ob der Missstände natürlich auch manchmal die Verzweiflung packt. Bitte nutzt Euren Handlungsspielraum, etwas zu verbessern, dann wird es für uns alle leichter, siehe vegane Produktfülle. 🙂 (Einschub-Ende)

      Danke für Deine lieben aufbauenden Worte, Janine! Ich kann in Punkto Gelassenheit und Coolness von Dir was lernen! 😘 Maria

      • danke Maria, ich denke, lernen können wir hier alle voneinander eine Menge – und die Gelassenheit fliegt mir auch nicht unbedingt immer gleich zu (sonst bräuchte ich ja keine flapsigen Notfallabwehrsätze ;)) – will sagen, ich kenne deine Gedankengänge recht gut von mir und bin sehr dankbar dafür, dass es inzwischen meistens recht gut funktioniert, sie nach der ersten Runde in meinem Kopf wieder loszulassen (immer klappt das natürlich auch noch nicht). Und ja, gerade wenn Menschen, die noch Tiere nutzen, über den Schmerz lesen, den dieses Verhalten bei den Tieren (und auch bei Veganern, die sie lieben) auslöst, so können sie ja nur widersprechen oder, wenn es sie tiefer berührt, eben nichts sagen. Doch das heißt ja nicht, das es im Nichts verhallt..

  3. Hey Maria,

    ich bin zwar noch nicht so offen abgecancelt worden wie du, aber den plötzlichen oder schleichenden Verlust von Freundschaften hab ich auch schon erlebt.
    Bei mir war das zeitgleich mit meinem Lebenswandel (Kinder), für den einen oder anderen war ich vielleicht nicht mehr interessant, weil ich keine Zeit mehr hatte. Freundschaften die über die gemeinsame Arbeit entstanden waren, verschwanden im nichts als ich in Elternzeit war.
    Mütter mit denen ich mit während der Elternzeit gut verstanden hab, haben sich nie wieder gemeldet. Mein damals bester Kumpel und Trauzeuge hat den Kontakt abgebrochen und so richtig weiß ich bis heute nicht, was das Problem eigentlich war. Er hat nie mit mir darüber gesprochen.
    Ich bin auch eine treue Seele – ich habe seitdem versucht neue Freundschaften aufzubauen, aber häufig macht es nicht richtig klick. Oder es macht klick und es ist verdammt schwierig genügend Zeit für die Pflege der Freundschaft aufzutreiben. Mit kleinen Kindern, Arbeit etc. bleibt halt nicht viel Freizeit.
    Aber ich hab mir zumindest auch gesagt, dass es die Personen nicht Wert sind ihnen hinterher zu trauern. Wer so den Kontakt abbricht hat es nicht verdient, dass ich es weiter versuche.
    Ich hab eine sehr treue Freundin, diese Freundschaft ist entstanden, als die ganzen anderen zerbrachen. Neuerdings habe ich auch einen sehr engen Kontakt zu meinem Cousin – der jahrelang immer so sein Ding gemacht hat – das freut mich sehr. Mit ihm kann ich über alles sprechen, das habe ich mir immer so von meinem Bruder gewünscht.
    Trotzdem bin ich manchmal sehr traurig, weil es sich sehr schwer anfühlt „echte“ Freundschaften zu finden und zu schließen. Ich sehe dass Kollegen bei der Arbeit sich abends zum Trinken treffen, zusammen in Urlaub fahren etc. Mit mir versucht das keiner, da frag ich mich schon was bei mir nicht stimmt. Aber ich bin die komische Veganerin, die ethische Prinzipien und Werte verkörpert und dann auch noch Mama – das ist per se wahrscheinlich uncool…
    Wobei ich geschätzt und gemocht werde bei der Arbeit, aber richtig Freunde sein will trotzdem keiner.
    Manchmal denke ich auch, dass ich evtl. das schlechte Gewissen verkörpere, welches ungern gehört wird. Das führt vielleicht dazu, dass ich mehr gemieden werde. Die Menschen wollen Spaß und nicht ständig dran erinnert werden, wo sie unzulänglich sind.

    Fühl dich gedrückt!
    Ich freue mich auf jeden Fall dich näher kennenzulernen 🙂

    Liebe Grüße
    Kristin (die vorgestern mit dir gemosht hat 😉 )

    • Hey Kristin!

      Ich hab mich soooooo über Deinen Kommentar gefreut und schon eine Antwort im Editor geschrieben! 😍 Doch der Text ist und bleibt weg (s.u.). Mir kommt da wirklich Etliches total bekannt vor. Und ich freu‘ mich voll, dass wir uns begegnet sind. Ja, lass uns so bald möglich wiedersehen! 🤗 Diese Woche war hier leider bisschen viel Hektik und morgen fahren wir erstmal eine Woche Skifahren in Österreich – Yippie! Aber danach lass uns unbedingt sehen. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich Deine netten Worte freuen! Hab tatsächlich ein Tränchen verdrückt… Und ich bin voll gespannt!

      Mit dem Klick, das ist echt Glücksache. Und ja, es ist auch ein wenig Arbeit, eine Freundschaft aufzubauen und zu pflegen. Früher als Kind / Jugendliche war das leichter, weil es eben „normal“ war, sich in der Schule und in den Pausen zu sehen, und wir hatten als Kinder halt auch mehr Freizeit. Bei mir kommt auch noch hinzu, dass ich oft den Alltag künstlich so kompliziert mache, dass ich selbst das Freundschaftpflegen „gerne“ vor mir herschiebe, teils auch aus Schüchternheit. Das will ich mir dringend abgewöhnen! 😂

      Ich habe auch Geschwister – eine Schwester und zwei Brüder. Auch ich hatte mir da immer mehr Kontakt gewünscht, auch früher schon. Irgendwie komme ich an sie aber nicht ran. Ich wurde damals oft zur Oma geschickt, sodass sie mir damals entglitten sind und dummerweise ist es bis heute so. Aber welche Familie ist schon durchgehend stimmig? Voll schön mit Deinem Cousin, dass Du so einen guten Kontakt zu ihm hast! Der wirkte auf mich auch richtig nett – auch klug und reflektiert! Klasse, dass er auch vegan lebt!

      Das Gefühl, das fünfte Rad am Wagen zu sein, hatte ich in meinem Leben echt auch sehr oft. Na klar wollen Menschen Spaß! Ich hatte da häufig das Gefühl, einfach langsamer und unsicherer als die anderen zu sein, obwohl ich andererseits ja durchaus auch gerne Ulkkram mache. Vielleicht habe ich durch meine Unsicherheit bislang selber einfach zu wenige tolle Aktionen auf die Beine gestellt bekommen. (Kann sich vielleicht ja noch ändern.) Und mir war neben Spaß nur immer auch ein gewisser Tiefgang wichtig, den ich oft nicht fand. Und da kommen wir wieder zum gegenwärtigen „Tabuthema“ Vegan, was eben oft irgendwie Buh ist, was Du ja auch erlebst. Früher traf das ja schon auf mein Vegetarisch-Leben zu. 🙈

      Ich freu‘ mich auf bald, hab eine schöne Zeit❣ – Maria 🤘

  4. Huhu, Ihr Lieben, kurze Zwischenmeldung: Mir ist vor ein paar Tagen eine Panne passiert, deshalb fehlen hier noch ein paar Antworten auf Eure lieben tollen aufbauenden Texte. Ich hatte Eure Kommentare in einen Texteditor kopiert und dort noch mal in aller Ruhe durchgelesen und dann meine Antworten formuliert. Ich war noch nicht ganz fertig damit und wollte am nächsten Tag weiterschreiben. Ich weiß nicht, was passiert sind, aber die Textdatei war plötzlich nicht mehr auffindbar und bleibt offenbar verschwunden. Ich antworte Euch aber jetzt gleich (noch) mal. Ganz dickes DANKE auf jeden Fall! 😘 Ich freu mich TOTAL darüber! ❤

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